UMWELT & E-MOBILITÄT

Ist die Reichweite ein K.-o.-Kriterium für E-Autos in Ihrer Flotte?

Reichweiten von Elektroautos sollten zum Standort und zum Mobilitätsbedarf Ihres Unternehmens und Ihrer Mitarbeiter passen.

Ist die Reichweite ein K.-o.-Kriterium für E-Autos in Ihrer Flotte?

Reichweiten von Elektroautos sollten zum Standort und zum Mobilitätsbedarf Ihres Unternehmens und Ihrer Mitarbeiter passen.
 
20. Mai 2021

Lesezeit: 5 Minuten

Eine grüne Car Policy mit Elektroautos wirkt sich nicht nur auf die Gesamtbetriebskosten, sondern auch auf die Mitarbeiterzufriedenheit und das Image Ihres Unternehmens aus. Höhere Reichweiten von E-Autos der neuesten Generation lassen Reichweitenängste in den Hintergrund treten. Führen Sie in Ihrem Unternehmen trotzdem – oder gerade deshalb – Debatten über Reichweiten von E-Autos?

4 Gründe, warum die Reichweite die Anschaffung von E-Autos immer weniger hemmt

1. Immer mehr flottentaugliche E-Modelle verfügbar

Eine Ihrer Aufgaben im Flottenmanagement ist die Auswahl und Beschaffung geeigneter Fahrzeuge für Ihren Fuhrpark. Kennen Sie den Fahrzeugmarkt gut genug, um die zur strategischen Ausrichtung Ihrer Flotte passenden Fahrzeuge zu finden?

  • Wenn Ihr Unternehmen seinen Schwerpunkt auf Umweltschutz durch geringere Emissionen von CO2 und Feinstaub setzt, haben Sie die Wahl: In Deutschland gab es bereits Ende 2020 über 60 Elektroauto-Modelle mit verschiedenen Reichweiten.
  • Tendenz steigend: Bis 2023 sollen in Deutschland weitere 90 – auch flottentaugliche – Modelle unterschiedlicher Fahrzeugklassen hinzukommen.

Angst vor der E-Auto-Reichweite? Als Fuhrparkleiter entscheiden Sie, ob und wie Elektroautos mit ihren unterschiedlich hohen Reichweiten den Mobilitätsanforderungen Ihres Unternehmens und der Mitarbeiter genügen. Die verschiedenen Reichweiten von E-Autos im Vergleich untereinander – wie auch im Vergleich zu Autos mit herkömmlichem Verbrennungsmotor – sind nach wie vor ein Kriterium, das Fuhrparkverantwortliche im Blick haben sollten.

Die Reichweite von E-Autos ist bis heute ein Thema, das mitunter in der viel zitierten Reichweitenangst gipfelt. Würden Sie Ihre Flotte auf E-Mobilität umstellen, wenn Sie darum fürchten müssten, dass Ihre Fahrer nicht mehr ans Ziel kommen?

Angst davor, mit einem elektrisch oder alternativ angetriebenen Fahrzeug aufgrund der begrenzten Reichweite der vorhandenen Akku- bzw. Tankladung das Fahrtziel oder eine Lade- bzw. Tanksäule nicht zu erreichen und auf der Strecke liegen zu bleiben.

ReichweitenangstDuden

2. Technologischer Fortschritt für höhere Reichweite von Elektroautos

Reine E-Autos neuer Generation kommen – abhängig von Batteriegröße und Stromverbrauch – bei vollgeladener Batterie auf eine Reichweite von 200 bis zu 500 Kilometern.

  • Batteriegröße: Nach Herstellerangaben haben Elektroautos unterschiedlicher Fahrzeugklassen Batterien mit Speicherkapazitäten von knapp 20 kWh bis 100 kWh. Hersteller bieten Modellvariationen mit verschiedenen Batteriegrößen und damit unterschiedlich hohen Anschaffungskosten an.
  • Stromverbrauch: Der Stromverbrauch variiert zwischen 20 kWh und 28 kWh für eine 100-km-Strecke. E-Autos mit geringem Verbrauch, aber gleichzeitig kleiner Batterie werden im Reichweitenvergleich jedoch nicht das Rennen machen.

Die Batterie ist nicht alles!

Große Batterien von Elektroautos stehen für hohe Reichweiten. Wie weit ein Auto fahren kann, hängt auch davon ab, wie sparsam sein Motor den Strom verbraucht. Denken Sie bei der Anschaffung von E-Autos aber nicht nur an die Reichweite, sondern auch an die richtige Ausstattung für den Wiederverkauf.

Unsere praktische Übersicht zeigt Ihnen, wie Sie auch E-Autos verschiedener Fahrzeugklassen für Ihre Flotte restwertoptimal ausstatten. 

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3. Aus der Not eine Tugend machen: Die geringere Reichweite von E-Autos fördert Unfallverhütung

Die Reichweite von Autos mit herkömmlichem Verbrennungsmotor liegt – abhängig von Tankgröße und Kraftstoffverbrauch – bei vollem Tank im Schnitt zwischen 600 und 1.200 Kilometern. Im Vergleich hinkt die Reichweite von E-Autos der von Verbrennern noch hinterher. 

Beim Stromtanken Pause machen

  • Verbrennungsmotoren ermöglichen besonders lange Autofahrten, allerdings erhöht das Fahren ohne Stopp die Unfallgefahr für Ihre Fahrer.
  • Regelmäßige Pausen einzuplanen und eine konstante, kraftstoffsparende Fahrweise thematisieren Sie als Fuhrparkverantwortlicher in der jährlichen Fahrerunterweisung. So können Mitarbeiter aus der Not eine Tugend machen und die Stromladezeit als Pausenzeit nutzen.
  • Darf die Pause länger dauern, tritt die Leistungsfähigkeit der Ladestelle in den Hintergrund. Dann muss nicht immer der Supercharger angesteuert werden. Das erleichtert auch die Routenplanung – und reduziert wiederum unfallträchtigen Stress.

4. Ladeinfrastruktur der Zukunft: mehr Ladepunkte und kürzere Ladedauer für höhere E-Auto-Reichweite

  • Das Ladenetz der Zukunft: Wenn es nach dem Masterplan der Bundesregierung zur Ladeinfrastruktur geht, werden bis zum Jahr 2030 eine Million öffentliche Ladepunkte entstehen.
  • 50.000 Ladepunkte bis Ende 2021: Laut Bundesnetzagentur sind für das Ziel „50.000 Ladepunkte bis Ende 2021“ bereits Anfang 2021 35.845 Normalladepunkte und 5.906 Schnellladepunkte in Betrieb.
  • E-Auto-Reichweite im Minutentakt: Das Energieunternehmen EnBW plant z. B. in Nordrhein-Westfalen den größten öffentlichen Schnellladepark Europas. Mit 52 Ladepunkten für E-Autos können diese je nach Fahrzeug in nur fünf Minuten Strom für 100 Kilometer Reichweite tanken.
  • Transformation der Mineralölkonzerne: Auch die klassischen Tankstellen rüsten für die Energiewende um. Bis 2030 will z. B. Shell rund 1.000 Schnellladesäulen an seinen Tankstellen errichten. Aral hat bis Ende des 1. Quartals 2021 über 100 Ultraschnellladepunkte – mit einer Leistung von bis zu 350 kW – an 30 deutschen Aral-Tankstellen gebaut.

Und welcher Steckertyp sind Sie?

Wo finden Ihre Fahrer die für sie relevanten öffentlichen und leistungsfähigen Ladepunkte? Die Antwort finden Sie in unserer Entscheidungshilfe für Einsteiger in die Elektromobilität.

Jetzt Entscheidungshilfe herunterladen

Darum sollten Sie Ihren Unternehmensstandort bei der Diskussion um E-Auto-Reichweiten analysieren

E-Mobilität ist für viele zukunftsweisend. Aber noch steht die Entwicklung der Ladeinfrastruktur in Deutschland am Anfang. Und es gibt deutliche regionale Unterschiede.  Wann ist der passende Zeitpunkt für Ihr Unternehmen, seine Flotte für E-Mobilität zu öffnen? Das hängt davon ab, ob der Einsatz von Elektrofahrzeugen geeignet ist – auch im Hinblick auf die Reichweite rund um Ihren Unternehmensstandort –, den Mobilitätsbedarf Ihres Unternehmens zu decken.

Führen Sie eine Analyse des Standorts inklusive der infrastrukturellen Rahmenbedingungen durch. Betrachten Sie dabei den Mobilitätsbedarf Ihres Unternehmens und Ihrer Mitarbeiter. Gleichen Sie die Reichweite von Elektrofahrzeugen damit ab.

  • Distribution von Waren und Dienstleistungen: Wie gestaltet sich die logistische Nutzung Ihrer Flottenfahrzeuge in welchen Gebieten? Wie steht es um die Planung von Terminen und Touren? Eignen sich E-Fahrzeuge für Ihren Geschäftszweck?
  • Arbeits- und Dienstwege: Wie weit vom Arbeitsplatz entfernt wohnen Ihre Mitarbeiter, die ihren Dienstwagen auf dem (täglichen) Weg zur Arbeit nutzen? Welchen Mobilitätsbedarf haben Außendienstmitarbeiter, um in ihrem Gebiet Kunden- und Vertriebstermine wahrzunehmen? Wie oft pendeln sie zwischen Unternehmensstandort und ihrem Einsatzgebiet?
  • Geschäftsreisen: Mit welchen Verkehrsmitteln machen Ihrer Mitarbeiter Geschäftsreisen? Haben Sie einen Fahrzeugpool für diesen Zweck?
  • Reichweitenunabhängigkeit: Ist Ihr Unternehmen in der Lage, eigene Ladestellen – rein für den Geschäftszweck oder auch für Mitarbeiter und Gäste – aufzubauen? Unterstützen Sie Ihre Mitarbeiter bei der Aufladung am Wohnort, z. B. durch die Einrichtung von Homeladestationen?

Wo sind Ihre Mitarbeiter unterwegs? Die Reichweite von E-Autos hat Auswirkungen auf die Mitarbeiterzufriedenheit

Ob Ihre Mitarbeiter überzeugte E-Auto-Fahrer werden? Bedenken Sie bei der Standortanalyse auch den individuellen quantitativen Mobilitätsbedarf einzelner Dienstwagenfahrer – nicht nur für Arbeitswege und Dienstreisen, sondern auch bei der privaten Nutzung. 

Ist die Privatnutzung in der Car Policy gestattet? Und bewältigen viele Mitarbeiter ihre persönlichen Wegstrecken, wie die Fahrt zwischen Wohnort und Arbeitsstätte oder lange Urlaubsfahrten, mit ihrem Dienstauto? In diesen Fällen könnten Dienstwagenfahrer den Umstieg auf alternative Antriebe – mit geringeren Reichweiten im Vergleich zu herkömmlichen Antrieben – als Einschnitt in ihr Dienstwagenprivileg empfinden.

 

Die Mitarbeiterzufriedenheit leidet aber nicht, wenn

  • Ihre Fahrer selbst den Wunsch haben, ein elektrisches Dienstfahrzeug zu fahren.
  • die Reichweite einfach „kein Thema“ für Ihre Fahrer ist. Dann gleicht das Aufladen eines E-Fahrzeugs dem Laden ihres Smartphones über Nacht.
  • für Ihre Fahrer die Reichweite der meisten neuen Elektrofahrzeuge ausreicht und ein zusätzliches Aufladen unterwegs nicht mehr notwendig ist.
  • der Zugang zum Laden und der Ladevorgang selbst so einfach wie möglich sind. Die üblichste Auflademethode ist das Vollaufladen über Nacht. Sie können Ihren Fahrern Ladelösungen für zu Hause und am Arbeitsplatz anbieten. Dadurch wird bereits ein Großteil des Ladebedarfs gedeckt – ein Tankstellenstopp ist gar nicht mehr notwendig.
  • die Entfernung doch einmal größer ist und Ihre Fahrer den Akku dann auch unterwegs an Schnellladestationen wieder aufladen können.

Fazit: keine Angst vor der E-Auto-Reichweite!

  • Auch wenn im Reichweitenvergleich Verbrenner nach wie vor ungeschlagen sind: Immer höhere E-Auto-Reichweiten halten Mobilitätsanforderungen stand.
  • Je größer die Batterie und je sparsamer der Verbrauch, desto höher die Reichweite von E-Autos. Aber bei gut 500 Kilometern– Stand heute – ist Schluss.
  • Mit der Analyse Ihres Unternehmensstandorts und des Mobilitätsbedarfs Ihrer Mitarbeiter können Sie am besten über den passenden Zeitpunkt entscheiden, E-Autos für Ihr Unternehmen anzuschaffen.

Unschlüssig über E-Mobilität?

Wägen Sie – neben der Debatte über die Reichweite von Elektroautos – die Vor- und Nachteile von E-Mobilität für Ihr Unternehmen ab. Dafür bietet Ihnen unsere kompakte Entscheidungshilfe wichtige Fragen und hilfreiche Informationen für Einsteiger in die E-Mobilität.

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Quellen:

Fraunhofer-Institut für Energiewirtschaft und Energiesystemtechnik IEE/VMF – Verband markenunabhängiger Mobilitäts- und Fuhrparkmanagementgesellschaften e. V.: Elektromobilität in Deutschland – Studie zur Entwicklung bis 2025

Guido Birkner: Ratgeber Dienstwagen- und Mobilitätsmanagement 2020

Elektroautos im Vergleich: Unterschiede bei Verbrauch und Reichweite: https://www.adac.de/rund-ums-fahrzeug/tests/elektromobilitaet/stromverbrauch-elektroautos-adac-test/

Förderung und Entwicklung der Ladeinfrastruktur in Deutschland: https://www.bundesregierung.de/breg-de/themen/klimaschutz/ladeinfrakstruktur-1692644 https://www.bundesnetzagentur.de/DE/Sachgebiete/ElektrizitaetundGas/Unternehmen_Institutionen/E-Mobilitaet/start.html https://www.enbw.com/unternehmen/presse/europas-groesster-oeffentlicher-schnellladepark-in-bau.html https://www.shell.de/medien/shell-presseinformationen/2020/energiewende-shell-will-geschaeft-in-deutschland-umbauen.html https://www.aral.de/de/global/retail/presse/pressemeldungen/siemens-aral-grid-connect.html

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