Die Gesamtbetriebskosten sind nicht unveränderlich

21. Februar 2020

Die Gesamtbetriebskosten eines Fahrzeugs setzen sich zusammen aus seinen Fixkosten, allen Betriebsausgaben sowie der Wertminderung pro Jahr oder im Laufe seiner Nutzungsdauer abzüglich dem erwarteten Wiederverkaufswert. Diese Rechnung wird normalerweise vor der ersten Anschaffung durchgeführt und als Auswahlmetrik verwendet. Man sollte jedoch nicht vergessen, dass die Gesamtbetriebskosten kein unbeweglicher Wert sind.

Die Gesamtbetriebskosten eines Fahrzeugs können sich im Laufe der Zeit aufgrund von Fahrzeugalter und zahlreichen externen Faktoren ändern. Externe Marktfaktoren beispielsweise können zu wechselnden Kraftstoffpreisen und höheren Rohstoffkosten führen, was wiederum den Preis für Autoteile und Reifen steigen lässt, und die Wertminderungsrate steigt und fällt in der Regel mit den Kondition des Großhandelsmarktes sowie den Kaufvorlieben der Verbraucher. Diese externen Faktoren können die Wettbewerbsfähigkeit eines Fahrzeugsegments im Hinblick auf die Gesamtbetriebskosten gegenüber einem anderen beeinflussen. Niedrigere Kraftstoffpreise beeinflussen die Gesamtbetriebskosten beispielsweise, indem sie Lkw-Betriebskosten reduzieren und Wiederverkaufswerte erhöhen, wobei sie sich gleichzeitig negativ auf die Restwerte von Kompaktlimousinen und Hybrid-Fahrzeuge auswirken.

Die Gesamtbetriebskosten beeinflussen auch Richtlinien zum Austausch von Fahrzeugen. Beinahe alle Fuhrparkkosten – sowohl Fix- als auch Betriebskosten – hängen vom Zeitpunkt der Außerbetriebnahme eines Fahrzeugs ab. Der langfristige Trend beim Fahrzeugleasing durch Unternehmen ist eine allmähliche Steigerung der Betriebszeiten der Fahrzeuge. Im Laufe der Jahre haben Erstausrüster für eine drastische Steigerung der Fahrzeugqualität und Verlängerung der Garantien für den Antriebsstrang gesorgt. Unternehmen können so die Betriebsdauer weniger risikoreicher Fuhrparks, wie zum Beispiel Fuhrparks mit leichten Nutzfahrzeugen, bedenkenloser verlängern.Branchendaten zeigen, dass die Nutzungsdauer von Fuhrparks aus leichten Nutzfahrzeugen und Transportern stetig zugenommen hat. Auch Limousinen-Fuhrparks weiten ihre Nutzung aus, wobei diese Entwicklung sich im Durchschnitt langsamer vollzieht. Insbesondere mittelgroße Flotten nähern sich einem Austauschparameter von ca. 130.000 Kilometern an, da Unternehmensleitungen die Investitionsausgaben des Flottenbetriebs kürzen möchten. Das Management sieht den Austausch von Fahrzeugen oft als reine Kostensache. Viele Unternehmen senken ihre Fuhrparkkosten, indem sie den Fahrzeugaustauschzyklus verlängern, sodass das nicht gebundene Kapital in andere Unternehmensausgaben fließen kann.

Die Entwicklung von Richtlinien zu flexiblen Leitlinien

Traditionell basieren die Richtlinien zum Austausch des Fuhrparks auf der Kombination aus Nutzungsdauer und Kilometerzahl, also beispielsweise eine bestimmte Anzahl von Nutzungsmonaten und Kilometern. Die Richtlinien basieren auf den sich entgegengesetzt verhaltenden fixen und variablen Kosten während des Lebenszyklus eines Fahrzeugs. Für gewöhnlich verlangsamt sich der Anstieg der fixen Kosten mit zunehmendem Alter des Fahrzeugs, während die variablen oder Betriebskosten tendenziell ansteigen. Werden diese beiden Kostenarten über die gesamte Lebensdauer eines Fahrzeugs grafisch dargestellt, ist es üblich, das Fahrzeug dann auszutauschen, wenn die sinkende Linie der Fixkosten die ansteigende Line der variablen Kosten schneidet.

Heute richtet sich jedoch eine wachsende Anzahl an Fuhrparkbetreibern nach flexibleren Austauschzyklen. Einige Fuhrparkbetreiber bezeichnen den Austauschzyklus auch nicht mehr als „Richtlinie“, sondern sprechen mittlerweile von einer „Leitlinie“. Sie möchten den Zeitpunkt selbst bestimmen, an dem ein Fahrzeug ausgetauscht werden soll. In diese Entscheidung fließen außerdem die vorherrschenden Marktbedingungen mit ein und nicht nur die vorab festgelegte Kilometerzahl und/oder die Zahl der Nutzungsmonate. Dieser Wandel wird durch verbesserte Modelle im Bereich Lebenszyklus-Optimierung ermöglicht. Hierzu gehört insbesondere die Entwicklung von Analysen zur Berechnung unterschiedlicher „Was wäre wenn“-Szenarien, um die optimalen Fahrzeugaustausch-Parameter zu bestimmen.

Flexible Leitlinien für den Fahrzeugaustausch können zu gegensätzlichen Entwicklungen führen: Zum einen kann der Austauschzyklus verlängert werden und damit als kurzfristige Lösung fungieren, um eine Reduzierung des Investitionsbudgets auszugleichen. Serviceflotten, die aufgrund zusätzlicher Fahrzeugausstattung höhere Anschaffungskosten haben, nutzen ihre Fahrzeuge länger, als dies bei Betreibern leichter Nutzfahrzeuge der Fall ist. Dies dient der Steuerung ihrer Investitionsausgaben.

Zum anderen können flexible Leitlinien für den Fahrzeugaustausch aber auch dazu führen, dass die Servicedauer von Fahrzeugen verkürzt wird. Hierbei werden Fahrzeuge nach einem kurzen Nutzungszeitraum ausgetauscht, um von einem besonders starken Wiederverkaufsmarkt zu profitieren, wie es z. B. vor einigen Jahren der Fall war. Einige Fuhrparkbetreiber möchten nicht an einen bestimmten Fahrzeugaustauschzyklus gebunden sein und bevorzugen eine flexible, marktorientierte Austauschstrategie. Bei diesem Ansatz wird davon ausgegangen, dass eine größere Flexibilität hinsichtlich des Austauschzyklus aus finanzieller Sicht von Vorteil ist. Dabei wird die Länge des Austauschzyklus optimal an die jeweiligen Marktgegebenheiten angepasst.

Von Gesamtbetriebskosten (TCO) zu den genaueren niedrigsten Betriebskosten (LCO)

Fahrzeugkonnektivität und genauere Datenanalysen im Bereich der vorausschauenden Wartung werden zu einem Wandel führen: weg von den Gesamtbetriebskosten (TCO) und hin zu einem genaueren Ansatz, der die niedrigsten Betriebskosten (LCO) in den Fokus rückt. Die letzte und genaueste Lebenszyklus-Analyse im Zusammenhang mit der ersten Anschaffung und die damit einhergehende beste Austauschstrategie basiert auf Echtzeitdaten, kombiniert mit Daten aus der Vergangenheit.

Prädiktive Modellierung basierend auf Fahrzeugdaten, die kontinuierlich von Telematiksystemen gesammelt werden, erhöht die Effizienz des Fuhrparks. So ergab eine von IBM durchgeführte Studie, dass prädiktive Analyseverfahren die Fehlerdiagnosezeiten um 70 % und die Reparaturzeiten um 20 % reduzieren könnten.

Durch prädiktive Modellierung können Ausfallzeiten besser verwaltet und die Fuhrparkauslastung optimiert werden. Dadurch wird das traditionelle Modell der vorbeugenden Wartung, das auf Nutzungsdauer und Kilometerzahl basiert, von einem datengetriebenen Modell abgelöst. Langfristig wird sich ein Wandel von der traditionellen reaktiven Wartung hin zur vorausschauenden Wartung vollziehen. Künftig werden Reparaturen nur noch vor dem Eintreten schwerwiegender Fehler durchgeführt werden, was eine optimale Nutzung der Fahrzeuge zur Folge hat.

Prädiktive Wartungstechnologien können Ausfälle nicht verhindern. Sie warnen lediglich vor zukünftigen Ausfällen, damit Fuhrparkmanager entscheiden können, wo und wann eine Reparatur durchgeführt werden soll, bevor es zum Ausfall kommt. Dadurch können unerwartete Ausfälle sowie Ausfallzeiten von Fahrern und Fahrzeugen reduziert werden. Und letztendlich dienen die Daten auch dazu, um vorherzusagen, zu welchem Zeitpunkt ein Teil am besten ausgetauscht werden sollte.

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